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40 Jahre Wissensmanagement, 10 Jahre bis 2036: Gestaltet das Menerva-Programm mit!
Ep. 48

40 Jahre Wissensmanagement, 10 Jahre bis 2036: Gestaltet das Menerva-Programm mit!

In der letzten Session des Knowledge Camps stellt Simon Dückert das Menerva-Programm vor. Er will das Wissensmanagement (KM) damit nach rund 40 Jahren Praxis und Forschung aus der Stagnation holen. Ausgangspunkt ist seine Beobachtung, dass Organisationen trotz demografischem Wandel und KI-Umbruch kaum anders arbeiten als vor zehn Jahren. Das Programm ist als offene Bewegung mit 40 Sprints (ab 1. Januar 2027) angelegt und erinnert an das Apollo-Programm. Es beginnt mit einer Charta aus sieben Thesen, die Einzelpersonen unterschreiben können, und mit einem Kick-off am 20. Oktober. Das Plenum diskutiert Bündnisse, Bildung und Hochschulcurricula und die Frage, warum vorhandenes Wissen nicht umgesetzt wird. Es gibt viel Zustimmung und Bereitschaft zur Mitarbeit. Shownotes: Ausgangslage: Stillstand im Wissensmanagement Seit Mitte der 1990er Jahre in der Disziplin aktiv: Dückert würde heute ein ganz anderes Bild des Erreichten zeichnen als damals. Noch immer geht es darum, Führungskräfte zu überzeugen und Wissensbewahrung (z. B. beim Ausscheiden von Mitarbeitenden) in Prozesse zu integrieren. Bekannte Treiber ohne Wirkung: Die Babyboomer gehen bis 2036 in Rente, und KI verändert die Wirtschaft. Trotzdem wird laut Dückert weitgehend weitergemacht wie bisher. Frühere Initiativen (Bildungsrepublik, Lissabon-Agenda) und die Verankerung in der ISO 9001 (Qualitätsmanagement) brachten keinen Durchbruch. Dückert kennt bislang keinen ISO-30401-Zertifizierer. ISO 30401 ist der Standard für Wissensmanagementsysteme. Dückerts Befürchtung: Auch bei seinem Renteneintritt könnte noch dieselbe Frage offen sein, wie man Organisationen zur Beschäftigung mit Wissen bringt. Für Deutschland sieht er KI vor allem dort als Chance, wo sie mit der starken Industrie (Automotive, Maschinenbau) verbunden wird, die durch China unter Druck steht. Das Menerva-Programm: Idee, Name und Struktur Die Story lautet „40 Jahre Wissensmanagement“ (Hashtag #4010KM). Als Geburtstag dient der Vortrag von Karl Wiig vom 20. Oktober 1986. Das Programm soll international wirken und die Welt außerhalb der Fachcommunity erreichen („Preaching to the Converted“ vermeiden). Das Apollo-Programm dient als Vorbild für ein ähnlich ehrgeiziges Zehnjahresziel. Der Name “Menerva“ geht auf die Göttin der Weisheit (etruskisch: Minerva) zurück, die Eule ist das mögliche Maskottchen. Das Programm ist in 40 Learning Sprints zu je drei Monaten gegliedert. Der erste Sprint startet am 1. Januar 2027, der Rest von 2026 dient der Ideensammlung. Es soll keine zentrale Steuerung geben. Gewünscht ist ein offener Rahmen mit Co-Creation und Selbstorganisation, ähnlich der Lern-OS-Community. Dückert nennt als Vorbilder Bündnisse wie Chaos macht Schule, Wikimedia und die Open Knowledge Foundation. Am Anfang stehen eine kuratierte Sammlung der besten KM-Bücher und Leitfäden und eine Toolbox mit den Top-10-Methoden (z. B. Communities of Practice). Die Charta: Sieben Thesen als gemeinsame Grundlage Die Charta passt auf eine DIN-A4-Seite und soll online mit Unterschriftsmöglichkeit erscheinen. Das Ziel von 100 Unterschriften bis Ende 2026 nennt Dückert „bescheiden“. Die Charta ist versioniert und damit änderbar. Open by Default statt Need to Know: Wissen soll geteilt werden. Das Gegenmodell stammt aus Militär- und Bürokratietheorie (Max Weber). Komplexe Berechtigungsstrukturen (z. B. in Microsoft 365) machen Wissen für KI unzugänglich. Praktische Beispiele sind die Wikipedia und Creative-Commons-Lizenzen für Videos. Selbstgesteuertes Lernen und Neugier („Lust auf Zukunft“ statt Nostalgie). Verantwortung: „Wissen ist Macht, Macht verpflichtet“. Das schließt die Gestaltung von KI und ihrer gesellschaftlichen Folgen ein. Nachhaltiges Wissen: Gemeint ist Wissen über Generationen hinweg. Aus dem Plenum kommt die Anregung, auch Wissen über Nachhaltigkeit aufzunehmen. Das Thema soll über die Organisation hinaus auf die gesellschaftliche Ebene. Historische Wurzeln und Schirmherren Karl Wiig war einer der frühen Pioniere. Er arbeitete bei Arthur D. Little im Bereich symbolische KI. Sein Vortrag von 1986 enthält schon Wissenslandkarten, Wissensstrategie und KI-Integration. Dückert erreichte ihn zunächst nicht und hielt ihn für verstorben. In der Nacht vor der Session meldete sich Wiig doch noch per E-Mail und bot ein Gespräch an. Empfohlene Bücher von Wiig: Knowledge Management Foundations (1993) und People-Focused Knowledge Management. Vieles davon ist auf ResearchGate verfügbar. Leif Edvinsson (Pionier des Intellectual Capital und der Wissensbilanz, Mitgründer des New Club of Paris) hat die Schirmherrschaft zugesagt. Das bringt eine internationale Anbindung. Dückerts Beobachtung: Moden wie „Community“ oder „Yammer“ kommen immer wieder, während das ältere Wissen (z. B. die Community-of-Practice-Theorie) verloren geht. Die NASA könne laut einem Artikel heute nicht mehr zum Mond, weil das Wissen fehlt. Der Kick-off findet am 20. Oktober von 14 bis 15 Uhr online statt. Geplant sind eine Analyse des Wiig-Papers, eine kuratierte Linkliste, ein Gast Edvinsson und Crowdsourcing von Ideen. Diskussion: Mitwirkung, Bildung und die Warum-Frage Bündnisse und Unterstützung: Es wird empfohlen, Unterstützerorganisationen und lokale Bündnisse einzubeziehen und Fürsprecher zu gewinnen. Außerdem soll mit der Wissensagenda Österreich (Andreas Brandner, Portal wissensmanagement.gov.at) zusammengearbeitet werden, um Erfahrungen zu nutzen und Parallelarbeit zu vermeiden. Für Schule und Universität braucht es Kontakte, die Dückert nach eigener Aussage nicht hat. Bildung: In Deutschland gibt es keinen Masterstudiengang Wissensmanagement mehr, was Dückert „unhaltbar“ nennt. Er schlägt vor, KM in BWL- und Wirtschaftsinformatik-Curricula zu verankern (z. B. mit dem GfWM-Curriculum von 2001, Gastvorlesungen und Materialien). Auch Fachwirt-Ausbildungen (DQR-Niveau 6, vergleichbar mit dem Bachelor) behandeln KM bisher zu wenig. Knowing-Doing-Gap: Dückert hält Mensch und Organisation für „auserforscht“. Neu seien nur die Technikwellen (Portale, Cloud, Microsoft 365, KI). Statt der „137. Methode“ gehe es um die Umsetzung. Dazu gibt es einen Einwand: Es fehle Wissen darüber, warum Methoden nicht angewendet werden (z. B. wegen intrinsischer Motivation). Man könne die Methoden der letzten 40 Jahre analysieren und auf wenige Muster reduzieren, auch mit KI-Unterstützung. Mehrere Teilnehmende unterstützen es, die Warum-Frage zu vertiefen. Stimmung und Mitmachen: Die Reaktionen sind überwiegend positiv. Genannt werden Lust auf konkrete Beiträge, die Skalierbarkeit bis in Regionalgruppen (z. B. Rhein-Main) und ein Bezug zum Demokratieerhalt. ID-Ideen wurden in einem offenen Pad (HedgeDoc, Markdown) gesammelt, zum Beispiel VHS-Kurse. Am Ende wird zur Mitarbeit eingeladen.

Personal Knowledge Mastery mit Harold Jarche
Ep. 47

Personal Knowledge Mastery mit Harold Jarche

ℹ️ Info: The shownotes are in 🇩🇪 German but the episode is in 🇨🇦 English. Harold Jarche hat seine Karriere im kanadischen Militär gestartet und sich dort auf Entwicklung von Trainings und Computer Based Training spezialisiert (formelles Lernen). Nach einer kurzen Station bei einem E-Learning-/LMS-Anbieter hat er sich selbständig gemacht und. ist Partner der Internet Time Alliance geworden. Das Lernen in und mit dem Internet hat Harold für seine persönliche Entwicklung kennen und lieben gelernt (informelles Lernen). Mit Seek > Sense > Share hat er ein weltweit bekanntes Framework für das persönliche Wissensmanagement (PKM) entwickelt, die Geschichte dazu erzählt er in dieser Episode. PKM sieht er dabei eng mit der eigenen Arbeit integriert, was er im bekannten Zitat “Work is learning and learning is the work“ beschreibt und wofür sein Weblog mit über 3.700 Beiträgen seit 2004 ein schöner Beleg ist. Seit 2014 bietet Harold den Personal Knowledge Mastery Online-Workshop an, dessen Namen aus der Disziplin “Personal Mastery” aus Peter Senge’s fünf Disziplinen der Lernenden Organisation abgeleitet ist. Der Workshop läuft über sechs Wochen und bietet 18 Lernaktivitäten, die asynchron bearbeitet werden können. Am 5. Oktober 2026 startet der letzte Durchlauf des Personal Knowledge Mastery Workshops und ich werde auch mit dabei sein. Wer dabei sein will, kann sich hier anmelden (€ 405,-). Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele von Euch dabei sein werden und wir das Finale gemeinsam mit Harold feiern 🥳

Projektmanagement trifft Künstliche Intelligenz
Ep. 46

Projektmanagement trifft Künstliche Intelligenz

KI verändert die Arbeit von Projektmanagerinnen und Projektmanagern grundlegend – von der einfachen Chat-Unterstützung bis hin zu autonomen KI-Agenten als vollwertige Teammitglieder. Marc Widmann, Transformation Director bei TCS (Tata Consultancy Services) und Fachgruppenleiter bei der GPM (Gesellschaft für Projektmanagement), zeigt, wo KI im Projektmanagement heute wirklich steht. Der Schlüssel liegt nicht in der Technologie, sondern im bewussten Umgang: zuerst Human Intelligence (HI), dann KI – und danach nochmals HI. Inhalt: GPM und klassische Projektmanagement-Phasen KI-Einsatz heute: Stufen und Praxisbeispiele Do’s & Don’ts beim KI-Einsatz Zukunft: Hybride Intelligenz-Teams GPM und klassische Projektmanagement-Phasen Die GPM ist die deutsche Vertretung der IPMA (International Project Management Association) mit einem Zertifizierungssystem von Level D (Einsteiger) bis Level A (Programm- und Portfolio-Verantwortung). Die fünf klassischen Projektphasen umfassen Initialisierung, Definition, Planung, Umsetzung/Steuerung und Abschluss. Besonders die Lessons Learned am Projektende werden zu selten durchgeführt – oft weil Zeit und Budget dafür in der Planungsphase nicht eingeplant wurden. KI-Einsatz heute: Stufen und Praxisbeispiele In einem Workshop mit 20 Projektleiterinnen und Projektleitern erhob Widmann den KI-Reifegrad anhand von vier Stufen: einfacher Chat (1), Agenten mit festen Workflows (2), teamweite Agenten (3) und vollständig autonome KI-Systeme (4). Das Ergebnis: Die Gruppe verortete sich bei 1,75 bis 2. Konkrete Use Cases, die Widmann nicht mehr missen möchte: Projektstrukturpläne und Risikowahrscheinlichkeiten vorab von der KI ausarbeiten lassen sowie KI-gestützte Konfliktmoderation, die er im GPM-Barcamp 2024 mit ChatGPT simulierte – mit wissenschaftlich fundierten Methoden zur Verhandlungsführung. Wachsender Bereich: automatisches Transkribieren von Meetings und die KI als Projektgedächtnis für vergangene Entscheidungen. Do’s & Don’ts beim KI-Einsatz Widmann empfiehlt, vorab klar zu definieren, welche Entscheidungen die KI treffen darf. Er entwickelte dafür ein Future Leadership Canvas für hybride Führung. Klare Don’ts: keine vertraulichen Daten in ungeschützte Systeme eingeben, die Lernfunktion in KI-Abos deaktivieren und Halluzinationen stets kritisch prüfen. Beim Thema AI Slob – massenhaft KI-generierter Output, der ungefiltert weitergereicht wird – warnt Widmann vor Qualitätsverlust. „Zuerst die HI einsetzen, dann die KI – und dann nochmals die HI.“ Zukunft: Hybride Intelligenz-Teams Widmann erwartet in zehn Jahren hybride Teams aus Human Intelligence und KI mit klar definierten Rollen – etwa ein bis zwei Menschen plus mehrere KI-Systeme pro Projekt. Teams werden kleiner, aber schneller und anpassungsfähiger. Eine vollständige Verdrängung von Arbeitskräften hält er für unwahrscheinlich, da demografischer Wandel und Fachkräftemangel gegenläufig wirken. „Durch die KI ist meine Arbeitslast nicht weniger geworden. Sie ist aber besser geworden.“ Fazit KI im Projektmanagement ist kein Zukunftsthema mehr – der Einstieg gelingt heute schon mit einfachen Chat-Tools. Entscheidend sind klare Governance-Regeln und das bewusste Einbringen menschlicher Erfahrung. Weiterführende Ressourcen: YouTube-Kanäle von Christoph Magnussen und Lars Thomsen sowie der Newsletter auf marc-widmann.de. Eigene Projekte mit dem Prinzip „HI → KI → HI“ strukturieren Governance klären: Was darf die KI entscheiden, was nicht? KI als Projektgedächtnis für Meetings und Entscheidungen nutzen Täglich einen neuen Use Case bewusst ausprobieren